{"id":30412,"date":"2024-04-30T14:01:59","date_gmt":"2024-04-30T12:01:59","guid":{"rendered":"https:\/\/christian-public-affairs.org\/?p=30412"},"modified":"2024-05-01T16:06:53","modified_gmt":"2024-05-01T14:06:53","slug":"motion-streiff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christian-public-affairs.org\/de\/motion-streiff\/","title":{"rendered":"Motion Streiff: Wirksame Ausstiegsprogramme f\u00fcr Menschen, die aus der Prostitution aussteigen wollen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Position wird von der <a href=\"https:\/\/heilsarmee.ch\/\">Stiftung Heilsarmee Schweiz<\/a> unterst\u00fctzt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Fakten und Argumente zur Unterst\u00fctzung der <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20223980\">Motion 22.3980<\/a> (Streiff-Feller \/ Jost)\u00a0: \u00abWirksame Ausstiegsprogramme zur beruflichen und sozialen Neuorientierung f\u00fcr Menschen, die aus der Prostitution aussteigen wollen\u00bb<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>DIE MOTION fordert:<\/h4>\n<p>\u2192 Gesetzliche Grundlagen und Konzept erarbeiten, um sicherzustellen, dass Menschen die aus der Prostitution aussteigen wollen, schweizweit bedarfsgerechte Ausstiegsangebote und -begleitung erhalten.<\/p>\n<p>Massnahmen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rechtlichen Status<\/strong> der Betroffenen kl\u00e4ren<\/li>\n<li>Existenzsichernde <strong>Alternativen f\u00fcr den eigenverantwortlichen Erwerb<\/strong> des Lebensunterhalts ausserhalb der Prostitution (Ausbildungs- und Arbeitsangebote) bieten \u2013 in der Schweiz o. im Ursprungsland.<\/li>\n<li><strong>Mit den k\u00f6rperlichen und seelischen Folgesch\u00e4den der Prostitution umgehen (Schadenstherapie)<\/strong> und<\/li>\n<li>Die Betroffenen in einem mittel- und langfristigen koordinierenden <strong>Case Management<\/strong> im Ausstiegsprozess begleiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <strong>Bundesrat<\/strong> teilt das Anliegen der Motion. Er erinnert an den Bericht <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/centers\/eparl\/curia\/2013\/20133332\/Bericht%20BR%20D.pdf\">\u00abProstitution u. Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung\u00bb<\/a> (2015) der auch die F\u00f6rderung von Ausstiegshilfen empfahl \u2013 allerdings auf kantonale Ebene. Der Bundesrat beantragt eine Ablehnung, weil er prim\u00e4r die Kantone in der Verantwortung sieht.<\/p>\n<p>Im <strong>Nationalrat<\/strong> (siehe <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/amtliches-bulletin\/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=62275\">Debatte<\/a>) wurde die Motion mit <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/poly\/Abstimmung\/51\/out\/vote_51_27544.pdf\">109 \/ 75<\/a> Stimmen angenommen.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>FAKTEN u. ZAHLEN<\/h4>\n<p><strong>13,000 bis 20,000<\/strong>: Personen, die sich sch\u00e4tzungsweise jedes Jahr in der Schweiz prostituieren. Die grosse Mehrheit sind <strong>Frauen<\/strong>. Prostitution erfolgt sehr oft aus einer <strong>\u00f6konomischen o. sozialen Notlage<\/strong> heraus. (Siehe obengenannten <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/centers\/eparl\/curia\/2013\/20133332\/Bericht%20BR%20D.pdf\">Bericht<\/a>, 2015, S. 98)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Prostitution ist mit <strong>sehr hohen Risiken<\/strong> verbunden:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Gesundheit<\/strong>: H\u00e4ufige sexuelle Kontakte mit verschiedenen Sexualpartnern erh\u00f6hen das Risiko, an einer <strong>sexuell \u00fcbertragbaren Infektion (STI)<\/strong> zu erkranken, und bei weiblichen Prostituierten \u2013 je nach Schutzverhalten \u2013 auch jenes einer <strong>ungewollten Schwangerschaft<\/strong>. Sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten und HIV stellen bei <strong>fast 80% der Betroffene ein gesundheitliches Problem dar<\/strong>. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.unige.ch\/sciences-societe\/socio\/files\/6014\/2246\/0095\/sociograph_7_final.pdf\">Uni Genf<\/a>, S. 47-49)<\/li>\n<li><strong>Psychischen St\u00f6rungen<\/strong> treten bei \u00fcber 50% der Betroffene auf (im Vergleich zu 12% bei der Allgemeinbev\u00f6lkerung). (Quelle: <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/20105147\/\">Uni Z\u00fcrich<\/a>).<\/li>\n<li><strong>Gewalt<\/strong>: spezialisierte Organisation stellen fest, dass dieses Gewerbe \u00ab\u00fcberdurchschnittlich stark von Gewalt an Frauen gekennzeichnet ist\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.fiz-info.ch\/images\/content\/Downloads_DE\/Publikationen\/Monitoring\/IK_Vertiefungsbericht_Sexarbeit_FIZ_2021_d_n.pdf\">FIZ<\/a>, 2021).<\/li>\n<li><strong>Menschenhandel<\/strong>: die FIZ identifizierte im Jahr 2022 259 Personen als Opfer von Menschenhandel. Davon waren 75% im Sexgewerbe t\u00e4tig. (<a href=\"https:\/\/www.fiz-info.ch\/de\/Downloads\/Zahlen-Menschenhandel-Statistik\">FIZ<\/a>, 2022)<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/20105147\/\">Stadtz\u00fcrcher Studie<\/a> von 2009, an der 193 Prostituierte teilnahmen, sagten <strong>55,4%<\/strong> der Befragten, dass <strong>sie den Job aufgeben m\u00f6chten<\/strong>. (S. 4)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>DIE EIDGEN\u00d6SSISCHE KOMPETENZ<\/h4>\n<p><strong>Good Practice in Z\u00fcrich: Das kantonale Sozialamt<\/strong> unterst\u00fctzt Organisationen f\u00fcr Ausstiegshilfe aus der Prostitution. Die <strong>Stadt Z\u00fcrich<\/strong> hat zudem Sozialarbeiter angestellt f\u00fcr den Bereich \u00abBerufliche Neuorientierung von Sexarbeiter*innen\u00bb.<\/p>\n<p>In den meisten Kantone muss aber davon ausgegangen werden, dass keine beh\u00f6rdliche Unterst\u00fctzung und m\u00f6glicherweise oft auch keine zug\u00e4ngliche private Angebote bestehen, f\u00fcr Betroffene die sich neuorientieren wollen bestehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum soll der Bund das Thema an sich nehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Koordination und Kooperation aller involvierten Beh\u00f6rden, Institutionen und Organisationen ist hier gefragt, <strong>damit die Bed\u00fcrfnisse der Betroffene richtig identifiziert werden, die Kenntnisse ausgetauscht werden, damit gemeinsam und je nach Zust\u00e4ndigkeit an L\u00f6sungen gearbeitet wird und damit insbesondere die Kantone und die spezialisierte Fachstellen in ihren Aufgaben unterst\u00fctzt werden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2192 Wir empfehlen den eidg. R\u00e4ten die Motion anzunehmen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Position wird von der Stiftung Heilsarmee Schweiz unterst\u00fctzt. &nbsp; Fakten und Argumente zur Unterst\u00fctzung der Motion 22.3980 (Streiff-Feller \/ Jost)\u00a0: \u00abWirksame Ausstiegsprogramme zur beruflichen und sozialen Neuorientierung f\u00fcr Menschen, die aus der Prostitution aussteigen wollen\u00bb &nbsp; DIE MOTION fordert: \u2192 Gesetzliche Grundlagen und Konzept erarbeiten, um sicherzustellen, dass Menschen die aus der Prostitution aussteigen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":30408,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"Der Bundesrat muss eine Koordinationsrolle \u00fcbernehmen und die Kantone unterst\u00fctzen. 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