{"id":30634,"date":"2026-04-30T13:59:47","date_gmt":"2026-04-30T11:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/christian-public-affairs.org\/?p=30634"},"modified":"2026-04-30T14:27:06","modified_gmt":"2026-04-30T12:27:06","slug":"steuerlichefairness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christian-public-affairs.org\/de\/steuerlichefairness\/","title":{"rendered":"Steuerliche Fairness f\u00fcr religi\u00f6se Organisationen"},"content":{"rendered":"<p data-start=\"95\" data-end=\"518\"><strong>Die Position wird von <a href=\"https:\/\/freikirchen.ch\/\">Freikirchen.ch,<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.each.ch\">Schweizerische Evangelische Allianz (SEA-RES)<\/a> und den <a href=\"https:\/\/adventisten.ch\/\">Siebenten-Tags-Adventisten<\/a> unterst\u00fctzt.<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"95\" data-end=\"518\"><em>Religi\u00f6se Gemeinschaften, Freikirchen und christliche Werke leisten in der Schweiz einen bedeutenden Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie engagieren sich in der Sozialarbeit, in der Integration, in der Unterst\u00fctzung von Familien und Jugendlichen, in die internationale Zusammenarbeit sowie in zahlreichen Bereichen freiwilliger T\u00e4tigkeit. Trotzdem sehen sich viele dieser Organisationen im Bereich der steuerlichen Abzugsf\u00e4higkeit von Spenden mit erheblichen Rechtsunsicherheiten konfrontiert.<\/em><\/p>\n<p data-start=\"520\" data-end=\"765\">Christian Public Affairs (CPA) setzt sich deshalb gemeinsam mit Freikirchen.ch, der SEA-RES und den Siebenten-Tags-Adventisten f\u00fcr eine sachgerechte, koh\u00e4rente und rechtsgleiche Behandlung von Organisationen mit religi\u00f6ser oder gemischter Zwecksetzung ein.<\/p>\n<h3 data-section-id=\"19zf4is\" data-start=\"767\" data-end=\"828\">Uneinheitliche kantonale Praxis schafft Rechtsunsicherheit<\/h3>\n<p data-start=\"830\" data-end=\"1091\">Der Anlass f\u00fcr die aktuelle politische Diskussion ist die sehr unterschiedliche und teilweise willk\u00fcrliche Praxis der Kantone bei der Frage, ob Spenden an Vereine oder Stiftungen mit teils kultischen und teils gemeinn\u00fctzigen Zwecken steuerlich abzugsf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p data-start=\"1093\" data-end=\"1385\">W\u00e4hrend einige Kantone offenere und pragmatischere L\u00f6sungen kennen, verfolgen andere seit mehreren Jahren eine deutlich restriktivere Praxis. Davon betroffen sind insbesondere Freikirchen sowie christliche Werke mit gemischter Zwecksetzung.<\/p>\n<p data-start=\"1387\" data-end=\"1703\">Die Unterschiede betreffen nicht nur die steuerliche Behandlung von Spenden, sondern bereits die grundlegende Einordnung einer Organisation: Was gilt als gemeinn\u00fctzig? Was wird als kultisch eingestuft? Und wie sind T\u00e4tigkeiten zu behandeln, die sowohl gesellschaftlichen Nutzen als auch religi\u00f6se Elemente enthalten?<\/p>\n<p data-start=\"1705\" data-end=\"1891\">Heute h\u00e4ngt die Antwort darauf in vielen F\u00e4llen stark vom jeweiligen Kanton oder sogar von einzelnen Beh\u00f6rdeninterpretationen ab. Dies f\u00fchrt zu Rechtsunsicherheit und Ungleichbehandlung.<\/p>\n<h3 data-section-id=\"eftxoq\" data-start=\"1893\" data-end=\"1940\">Problematische Praxis bei gemischten Zwecken<\/h3>\n<p data-start=\"1942\" data-end=\"2144\">Besonders problematisch ist die Praxis einzelner Kantone, Organisationen mit gemischten Zwecken faktisch zur Gr\u00fcndung zweier separater Rechtstr\u00e4ger zu zwingen: eines gemeinn\u00fctzigen und eines kultischen.<\/p>\n<p data-start=\"2146\" data-end=\"2323\">Diese Praxis verursacht zus\u00e4tzlichen administrativen Aufwand, h\u00f6here Kosten, Nachteile bei der beruflichen Vorsorge sowie k\u00fcnstliche Parallelstrukturen. Sie erschwert die Arbeit zahlreicher christlicher Werke erheblich.<\/p>\n<p data-start=\"2325\" data-end=\"2650\">Dabei verlangt das geltende Bundesrecht eine solche organisatorische Trennung nicht zwingend. Nach Auffassung von Freikirchen.ch und CPA m\u00fcsste es gen\u00fcgen, wenn Organisationen ihre Mittelverwendung transparent ausweisen und f\u00fcr gemeinn\u00fctzige sowie nicht gemeinn\u00fctzige T\u00e4tigkeiten eine nachvollziehbare Spartenrechnung f\u00fchren.<\/p>\n<p data-start=\"2652\" data-end=\"2781\">Gerade kleinere Werke werden heute jedoch mit Anforderungen konfrontiert, die weder verh\u00e4ltnism\u00e4ssig noch sachgerecht erscheinen.<\/p>\n<h3 data-section-id=\"1m57gfw\" data-start=\"2783\" data-end=\"2857\">Gemeinn\u00fctzige T\u00e4tigkeiten werden vorschnell als \u00abkultisch\u00bb qualifiziert<\/h3>\n<p data-start=\"2859\" data-end=\"3032\">Ein weiteres zentrales Problem besteht darin, dass gewisse Beh\u00f6rden T\u00e4tigkeiten bereits dann dem Bereich \u00abKultus\u00bb zuordnen, wenn darin einzelne religi\u00f6se Elemente vorkommen.<\/p>\n<p data-start=\"3034\" data-end=\"3370\">Dies betrifft beispielsweise soziale oder karitative T\u00e4tigkeiten christlicher Organisationen, bei denen etwa spirituelle Begleitung, Gebet oder religi\u00f6se Kommunikation Teil des Angebots sind. Statt die T\u00e4tigkeit als Ganzes zu beurteilen, wird teilweise bereits aufgrund einzelner religi\u00f6ser Bez\u00fcge die Gemeinn\u00fctzigkeit infrage gestellt.<\/p>\n<p data-start=\"3372\" data-end=\"3648\">Besonders problematisch ist dabei, dass sich gewisse Bewertungen auf sekund\u00e4re Kriterien st\u00fctzen \u2013 etwa auf die verwendete Sprache, religi\u00f6se Begriffe in der Kommunikation oder die Motivation der Beteiligten \u2013 statt auf die eigentliche gesellschaftliche Wirkung der T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p data-start=\"3650\" data-end=\"3775\">Dabei bestehen bereits heute anerkannte objektive Kriterien zur Beurteilung der Gemeinn\u00fctzigkeit. Relevant sind insbesondere:<\/p>\n<ol>\n<li>T\u00e4tigkeit im <strong>Allgemeininteresse<\/strong>: konkreter Nutzen f\u00fcr das Gemeinwohl,<\/li>\n<li><strong>Offenheit des Destinat\u00e4rkreises<\/strong>: Zugang f\u00fcr alle und nicht nur f\u00fcr Glaubensgenossen,<\/li>\n<li>Tats\u00e4chliche <strong>Uneigenn\u00fctzigkeit<\/strong>: Opferbereitschaft, Ehrenamtlichkeit, keine Selbsthilfezwecke und kein Erwerbszweck.<\/li>\n<\/ol>\n<p data-start=\"3955\" data-end=\"4147\">Diese Kriterien sollten im Zentrum der Beurteilung stehen \u2013 nicht die Frage, ob eine Organisation ihre Motivation religi\u00f6s begr\u00fcndet oder spirituelle Elemente in ihrer Kommunikation verwendet.<\/p>\n<h3 data-section-id=\"y8ro9f\" data-start=\"4149\" data-end=\"4173\">Anh\u00f6rung bei der ESTV<\/h3>\n<p data-start=\"4175\" data-end=\"4570\">Vor diesem Hintergrund lud die Eidgen\u00f6ssische Steuerverwaltung (ESTV) am 21. April 2026 Vertreter anerkannter und nicht anerkannter Religionsgemeinschaften zu einer Anh\u00f6rung ein. Anlass war ein vom Nationalrat \u00fcberwiesenes <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20243708\">Postulat<\/a> von Nationalrat Marc Jost (EVP), das den Bundesrat beauftragt, die unterschiedlichen kantonalen Praktiken zu analysieren und allf\u00e4lligen Handlungsbedarf zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p data-start=\"4572\" data-end=\"4857\">Freikirchen.ch reichte mit Unterst\u00fctzung von Christian Public Affairs im Vorfeld eine umfassende Auslegeordnung ein. Darin wird aufgezeigt, dass verschiedene kantonale Beh\u00f6rden ihre Praxis teilweise noch auf \u00fcberholte Interpretationen oder nicht mehr aktuelle Rechtsgrundlagen st\u00fctzen.<\/p>\n<p data-start=\"4859\" data-end=\"5026\">CPA begr\u00fcsst deshalb, dass die ESTV die betroffenen Akteure angeh\u00f6rt und die Diskussion \u00fcber eine schweizweit koh\u00e4rente Auslegung des geltenden Rechts aufgenommen hat.<\/p>\n<h3 data-section-id=\"4cfecq\" data-start=\"5028\" data-end=\"5090\">Unser mittelfristiges Ziel: ein neues Kreisschreiben der ESTV<\/h3>\n<p data-start=\"5092\" data-end=\"5284\">Kurzfristig sehen CPA und die unterst\u00fctzenden Organisationen Potenzial in einem neuen Kreisschreiben der ESTV, das die bestehende Rechtslage schweizweit pr\u00e4zisiert und vereinheitlicht.<\/p>\n<p data-start=\"5286\" data-end=\"5367\">Aus unserer Sicht sollten dabei insbesondere folgende Punkte klargestellt werden:<\/p>\n<h4 data-section-id=\"17rgi3e\" data-start=\"5369\" data-end=\"5429\">1. Gemeinn\u00fctzigkeit trotz religi\u00f6ser Elemente anerkennen<\/h4>\n<p data-start=\"5431\" data-end=\"5663\">Eine Steuerbefreiung f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke soll auch dann m\u00f6glich sein, wenn eine Organisation religi\u00f6se T\u00e4tigkeiten aus\u00fcbt oder einzelne religi\u00f6se Elemente vorkommen \u2013 sofern der gemeinn\u00fctzige Charakter insgesamt <em>klar \u00fcberwiegt<\/em>.<\/p>\n<h4 data-section-id=\"1vyfygb\" data-start=\"5665\" data-end=\"5722\">2. Spartenrechnung statt k\u00fcnstlicher Doppelstrukturen<\/h4>\n<p data-start=\"5724\" data-end=\"5905\">Organisationen mit gemischten Zwecken sollten nicht gezwungen werden, separate juristische Personen zu schaffen. Eine transparente und nachvollziehbare Spartenrechnung muss gen\u00fcgen.<\/p>\n<h4 data-section-id=\"1hrt98x\" data-start=\"5907\" data-end=\"5942\">3. Kultus vs. Gemeinn\u00fctzig: objektive Kriterien anwenden<\/h4>\n<p data-start=\"5944\" data-end=\"6163\">Die Abgrenzung zwischen Kultus und Gemeinn\u00fctzigkeit soll anhand objektiver Kriterien erfolgen \u2013 insbesondere aufgrund des Nutzens f\u00fcr die Allgemeinheit und nicht prim\u00e4r aufgrund religi\u00f6ser Kommunikation oder Motivation.<\/p>\n<h3 data-section-id=\"n0zktv\" data-start=\"6165\" data-end=\"6254\">Langfristig: eine grunds\u00e4tzliche Diskussion \u00fcber die Abzugsf\u00e4higkeit kultischer Zwecke<\/h3>\n<p data-start=\"6256\" data-end=\"6505\">\u00dcber die aktuellen Auslegungsfragen hinaus stellt sich auch eine grunds\u00e4tzliche gesellschaftspolitische Frage: Ist es heute noch gerechtfertigt, Zuwendungen an kultische T\u00e4tigkeiten grunds\u00e4tzlich von der steuerlichen Abzugsf\u00e4higkeit auszuschliessen?<\/p>\n<p data-start=\"6507\" data-end=\"6823\">Religi\u00f6se Gemeinschaften leisten einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt, zur Freiwilligenarbeit, zur Integration und zur gesellschaftlichen Stabilit\u00e4t. Zahlreiche wissenschaftliche Studien weisen zudem auf den positiven Zusammenhang zwischen Religiosit\u00e4t, sozialem Kapital und freiwilligem Engagement hin.<\/p>\n<p data-start=\"6825\" data-end=\"7068\">Vor diesem Hintergrund erscheint es legitim, die bestehende Unterscheidung zwischen kultischen und gemeinn\u00fctzigen Zwecken kritisch zu hinterfragen \u2013 insbesondere dort, wo religi\u00f6se T\u00e4tigkeiten einen klaren gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.<\/p>\n<p data-start=\"7070\" data-end=\"7189\" data-is-last-node=\"\" data-is-only-node=\"\">CPA wird sich weiterhin gemeinsam mit seinen Partnern f\u00fcr faire, koh\u00e4rente und zeitgem\u00e4sse Rahmenbedingungen einsetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Position wird von Freikirchen.ch, der Schweizerische Evangelische Allianz (SEA-RES) und den Siebenten-Tags-Adventisten unterst\u00fctzt. 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